Marmorsteinbrüche im Hinterland von Carrara
 

Marmorsteinbrüche im Hinterland von Carrara

 
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Die Toskana ist wohl eines der beliebtesten und abwechslungsreichsten Urlaubsgebiete in Italien und dennoch wird der Nordwesten der Toskana touristisch eher stiefmütterlich behandelt und ist vom Massentourismus noch weitgehend verschont geblieben.

Hier regieren nicht rollende, mit Ginster bewachsene Hügel, elegante Zypressen neben eindrucksvollen Landhäuser, bizarre Olivenhaine und die Weingärten bekannter Weingüter die Landschaft. Hier regieren die schroffen Bergketten der Apuanischen Alpen, die Teil des toskanischen Apennins sind. Eigentlich glaubt man sich eher in die Dolomiten versetzt.

Wandern im Gargano

Unberührte Natur, weiße, steil aufragende Felswände, malerische Dörfer, ein imposanter Naturpark, der Heimat von 60 % aller europäischen Orchideen ist, sowie die vollständige Abwesenheit von Massentourismus laden zum Wandern im Gargano, dem Sporn des italienischen Stiefels, ein.... Read more 

Schon von Weitem fällt auf, dass an den Berghängen Schneefelder liegen. Doch Halt! Seit wann gibt es im Sommer in Italien Schnee? Immerhin ist der höchste Gipfel der Apuanischen Alpen, der Monte Pisanino, nur knapp unter 2000 Meter hoch.

Was die Illusion von Schnee erweckt, erweist sich bei näherer Betrachtung als Marmorsteinbrüche im Hinterland von Carrara.

 

Geschichte

 

Unter dem Druck einer Kontinentalverschiebung gelangte im Tertiär der aus abgestorbenen Meeresorganismen gebildete, strahlend weiße Calcit an die Erdoberfläche und fand dort als Marmor freundliche Aufnahme.

Bereits gegen Ende der römischen Republik war der weiße Marmor von Carrara für Prunkbauten und Statuen bei Baumeistern und Bildhauern äußerst geschätzt. Selbst ganze Häuser wurden aus dem weißen harten Stein errichtet. Diese tonnenschweren Lasten wurden mit reiner Manneskraft - meist von Sklaven - abgebaut, unter lebensgefährlichen Bedingungen den Berg hinunter geschafft, auf Schiffe verladen und nach Rom transportiert.

Weltberühmte Künstler wie Michelangelo, Pisano, Donatello und Bernini waren regelmäßig zu Gast in die Carrara Berge, um die Marmorblöcke, das „weiße Gold“ für ihre gigantischen Kunstwerke, selbst auszuwählen.

Heutzutage werden pro Jahr etwa 5 Millionen Tonnen des beliebten Gesteins abgebaut und enden als Böden, Treppen, Bäder und Gebrauchsgegenstände in unseren Haushalten. Und auch heute noch ist der „Statuario“ aus Pietrasanta, der „heilige Stein“, die Luxusklasse des Marmors, Lieblingsmaterial bekannter moderner Bildhauer wie Louise Burgeois, Jeff Koons oder Fernando Botero.

 

Von Carrara Massa in die Marmorberge

 

Die Fahrt von Carrara in die Marmorberge erscheint selbst im 21. Jahrhundert noch äußerst abenteuerlich und gute Kurventechnik erweist sich jedenfalls von Vorteil.

Halsbrecherisch winden sich die Marmorfahrer mit ihren alten, um nicht zu sagen schrottreifen LKWs, beladen mit bis zu 38 Tonnen der begehrten Marmorplatten auf der mit Marmorschutt bedeckten Straße um die Serpentinen. So manche enge Haarnadelkurve erfordert absolute Millimeterarbeit. Doch keine Angst, die Fahrer dieser LKWs sind absolute Kurvenkünstler und haben die Strecke im Blut. Manchen Flachländern dagegen wird schon beim Zusehen schlecht.

Seitenstraßen sind immer einen Umweg und ein Erlebnis wert. Manchmal führen sie in eine Sackgasse, manchmal enden sie bei einer versteckten Land-Trattoria. Ein häufiges Zeichen für Ess- und Trinkbares sind Tische, oft auf flachen Felsen oder anderen Landmarken platziert, auf denen Weinflasche und Geschirr in ein naheliegendes Restaurant einladen.

Mit Glück führt so eine Abzweigung sogar zu einem verlassenen Dorf, manchmal an Flüsschen oder Weihern gelegen. Uralte Steinhäuser, oft erstaunlich gut erhalten, mit weich bemoosten, mit Schieferplatten gedeckt Dächern, ducken sich unter viel sattem Grün und laden zum Herumstromern und Fotografieren ein. Nicht selten gibt es auch noch ein altes Mühlrad zu bestaunen.

Hin und wieder lässt ein ohrenbetäubendes “BUMM“ die Landschaft erzittern. Und wieder wurden dem Berg die gleißendweißen Marmorplatten abgerungen.

In der Umgebung von Massa und Carrara stehen viele Steinbrüche für Besucher offen und es ist total spannend, mal aus der Nähe zu sehen, dass selbst der voll mechanisierte, hochtechnisierte Abbau immer noch recht abenteuerlich anmutet.

 

Fantiscritti Tal

 

Neben Tagbau wird der begehrte Stein hier auch unterirdisch geerntet. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die Marmorqualität im Berginneren wesentlich besser ist, als an der Außenseite. Details zu alten und neuen Techniken vermittelt das Marmormuseum.

Gleich neben dem Museum durchsticht ein 1200 Meter langer Tunnel den Berg Torrione. In der Mitte des Tunnels erhebt sich die Galleria Ravaccione, ein riesiger Dom, von dem aus der Berg weiter ausgehöhlt wird. 360 Grad purer Marmor, bizarre Licht- und Schattenspiele, kubische Linien, ja die absolute Abwesenheit von jeglichen Rundungen, lassen sofort Science Fiction Gefühle aufflammen. Als besonderes Highlight bietet die Galleria saisonale Theater- und Konzertaufführungen an.

Zum Abschluss empfiehlt sich ein Besuch in Colonnata, einem Dorf, das einer auf den ersten Blick fragwürdigen kulinarischen Spezialität seinen Namen gegeben hat. Der Lardo di Colonnata. Ein eingesalzener und mit Kräutern gewürzter Bauchspeck vom Schwein, ohne das geringste Fetzelchen Muskelfleisch, wird in Marmorbehältern – wo sonst – gereift und auf warmem Kartoffelbrot serviert. Vergiss die Diät!

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